#miteinanderleben: Vom hässlichen Entlein zum „Schwanen“

Neue soziale Fragen | Zukunftslabore
Quelle: Fany Fazii "Die Fotogräfinnen" http://www.fotograefinnen.de/

In meiner Sommerpause habe ich ein Projekt in meinem Wahlkreis besucht, das, wie ich finde, in seiner Art einzigartig ist: In Nehren, einer knapp 4.300 Einwohner starken Gemeinde bei Tübingen, haben die Bürgerinnen und Bürger ein ehemaliges Dorfgasthaus zu ihrem Genossenschaftsprojekt umgewandelt.

Der Gasthof, dessen Wirte und Pächter bis in das 17. Jahrhundert zurück zu verfolgen sind, prägte über Jahrhunderte den Ortskern, wurde in den letzten Jahren nach Umbauten und Pächterwechsel aber mehr oder weniger dem Verfall überlassen – und die Ortsmitte damit auch. In meinem Wahlkreis Tübingen erlebe ich jedoch immer wieder, wie sich die Gemeinden dem Problem von Landflucht und halb verlassenen Ortskernen stellen. In Nehren ist das in einer vorbildlichen Weise passiert:

Die Bürgerinnen und Bürger haben das Heft in die Hand genommen und den „Schwanen“ zu einem modernen Restaurant und Hotel umgebaut, statt das Haus einem fremden Investor zu überlassen. Zwei Jahre dauerten die Umbaumaßnahmen und alle halfen mit. Mit der Gründung einer Genossenschaft haben die Nehrener ihr eigenes Geld, Risiko und auch ihre Muskelkraft in das Projekt gesteckt. Es wurden sechs individuelle und stylische Gästezimmer ausgebaut und die Gaststätte gleichzeitig zum Gemeindetreffpunkt und Restaurant auf hohem Niveau umgestaltet. Das „Schwanen“ Gebäude gehört weiterhin der Gemeinde, wird aber von ihr an die Genossenschaft verpachtet und von ihr betrieben. Heute zählt das Projekt 235 Genossinnen und Genossen.

Der Gemeinde wurde so eine lebendige Ortsmitte gegeben, was heute so wichtig ist, damit Dörfer und Gemeinden weiter lebenswerte Wohnorte bleiben. Für mich war der Besuch wieder die Bestätigung dafür, wie viel die Bürgerinnen und Bürger tun können und wollen, um ihre Gemeinde lebendig zu erhalten. Genossenschaften sind da ein sehr guter Weg, den wir Grüne politisch unterstützen, denn Wohnen ist für uns Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge.

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