#miteinanderleben: Dort leben, wo andere Urlaub machen

Neue soziale Fragen | Zukunftslabore

Wenn wir über steigende Mieten, Mangel an Wohnraum, demographischen Wandel und Landflucht reden, dann fallen immer schnell die Namen der Großstädte: Stuttgart, München, Berlin. Dazu noch die beliebten Universitätsstädte, wo regelmässig spätenstens zu Semesterbeginn selbst kleine Zimmer zu Phantasiepreisen angeboten werden.

Wohnen auf dem Land sollte also kein Problem sein, denkt man sich. Aber ich lernte anderes bei meinem kürzlichen Besuch auf Langeoog. Die kleine Insel in der Nordsee gehört wie ihre Geschwister zu den Touristenhochburgen unseres Landes. 1.605.343 Übernachtungen von über 220.000 Besucher*innen wurden 2017 gezählt. Tendenz: steigend. Dem gegenüber stehen knapp 1800 Einwohner. Tendenz: sinkend, denn die Insel hatte Mitte der 80er Jahre auch mal über 3000 Einheimische.

Trotzdem, das zeigt schon ein Blick auf die Aushänge beim Immobilienmakler, sind Miete oder Wohneigentum auf der Insel nicht günstig zu haben. Im Gegenteil. Die Wohnsituation ist für manche kritisch, sehr kritisch. Junge Insulaner*innen verlassen die Insel, weil sie keinen bezahlbaren Wohnraum mehr finden. Der Boom als Urlaubsregion schlägt sich auch hier nieder, Betten werden überall an Feriengäste vermietet. Um den Betrieb aufrechterhalten zu können, kämpfen Hotel- und Restaurantbetreiber*innen darüber hinaus um Fachkräfte, die ebenfalls Wohnraum, oft nur saisonal, benötigen.

Die Folge: Der Quadratmeterpreis steigt. Neubauflächen stehen nur extrem begrenzt zur Verfügung, wir reden über eine Insel, mitten im Wattenmeer. Aber auch hier braucht es soziale Lösungen, um dem Leben auf der Insel eine Zukunft zu ermöglichen. Viele Menschen vor Ort suchen nach Lösungen und damit nach ihrer Zukunft auf der Insel – in ihrer Heimat. Die Fragen, auf die Antworten gefunden werden müssen, reichen von: Wie viele Feriengäste gehen eigentlich, wie viel Platz haben wir? Macht ein altes Gebäude Platz für ein neues Hotel oder für neue Wohnungen? Wie sieht ein guter Mix aus, wie kann ein Ausgleich der verschiedenen Interessen aussehen? Auf einer Insel, wo das Meer die Grenzen setzt, die aber gleichzeitig vom Tourismus lebt, gehen solche Fragen an die Existenz.

Mit unserer Grünen Wohnoffensive wollen wir einen Beitrag leisten. Nicht nur in der Stadt. Sondern auch auf dem Land und auf der Insel. Wir wollen, dass Mieten bezahlbar bleiben, damit jede*r eine für sich bezahlbare Mietwohnung findet. Wir stehen für ein gerechtes Mietrecht, das die Mieten im Zaum hält. Und wir wollen gute und bezahlbare Wohnqualität in ländlichen Regionen. Auch der von der GRÜNEN-Landtagsfraktion in den Niedersächsischen Landtag eingebrachte Entwurf für ein Gesetz über den Schutz und die Erhaltung von Wohnraum soll hier helfen. Ein Detail darin: Ein Genehmigungsvorbehalt der Kommunen für die Zweckentfremdung von Wohnraum und eine Anordnungsbefugnis gegenüber Eigentümer*innen bei nicht genehmigter Zweckentfremdung, den Wohnraum wieder Wohnzwecken zuzuführen.

Menschen sollen da leben können, wo sie wollen. Das gilt in der Stadt genauso wie auf den ostfriesischen Inseln oder am Alpenrand. Gut leben, gut wohnen ist überall ein Thema. Wir haben noch nicht alle Antworten gefunden, aber wir arbeiten ran.

 

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