Frauenversammlung: Wie vergrößern wir den „female digital footprint“?

Digitalisierung | Zukunftslabore

Sie ist eine Besonderheit der grünen Bundestagsfraktion, so alt wie die Fraktion selbst: Die Frauenversammlung. Dabei treffen sich die weiblichen Abgeordneten, um aus ihrer Sicht drängende politische Fragen zu besprechen. Einberufen wurde sie in diesem Jahr, um einen Aspekt des Zukunftslabors Digitalisierung zu diskutieren: Wie vergrößern wir den „female digital footprint“?

Binärcode, die Grundlage digitaler Informationsverarbeitung, ist zunächst nichts mehr als Nullen und Einsen, weder männlich noch weiblich.  Macht es dann einen Unterschied, wenn diese Programmiersprachen mehr von Männern „gesprochen“ werden? Denn zumindest in Deutschland ist das derzeit noch so, wie eine kleine Anfrage von unserer Sprecherin für Innovations- und Technologiepolitik, Anna Christmann, zeigt: Seit 2008 liegt der Frauenanteil in Deutschland in der Digitalbranche unverändert bei knapp einem Drittel. Schaut man nach den Selbstständigen und Gründerinnen und Gründern in der IT, sieht es noch schlechter aus, hier sind es nur 11 Prozent Frauen.

Was das für Konsequenzen hat, darüber diskutierten wir mit der Techniksoziologin Fiona Krakenbürger, Mitgründerin des Frauen*-Hackspace „Heart of Code“. Denn auch wenn es mittlerweile eine Binsenweisheit ist: Digitalisierung betrifft alle Lebensbereiche. Das sollte uns hellhörig machen, denn es heißt auch: In all unseren Lebensbereichen, zuhause im Smart Home oder Büro, aber auch in jedem unserer Politikbereiche, werden alle gängigen und kommenden Anwendungen, die unseren Alltag teils erheblich prägen und verändern, mehrheitlich nicht von Frauen erdacht oder umgesetzt. Ein – derzeit hypothetisches – Beispiel: Frauen zeigen beim Herzinfarkt andere Symptome als Männer, vielfach wurden in der Vergangenheit aber nur die Männersymptome erkannt und schnell behandelt, da sie als „normal“ gelten. Was, wenn nun eine App entwickelt wird, die die Symptome abscannt? Gibt es hier im Entwicklungsteam mit Ärzten und Programmierern keine Diversität, kann das lebensgefährlich werden. Das ist nur ein beispiel von vielen, das zeigt:Es gibt dringenden Handlungsbedarf.

Darum werden wir an diesem Thema in der Bundestagsfraktion weiterforschen, als nächstes im Fachgespräch „Besser mit Frauen. Wir gestalten Digitalisierung“ am 12. Oktober hier im Bundestag.

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